Gesund bleiben im Engagement – zwischen Selbstfürsorge und Verantwortung

Dieser Beitrag fasst zentrale Gedanken und praktische Impulse aus dem Beitrag von Anis Albasha zusammen, der im Rahmen unserer Themenwoche „Mentale Gesundheit in der Sozialen Arbeit“ im April 2026 stattgefunden hat.

Übersicht

Wie Fachkräfte andere unter­stützen können, ohne sich selbst zu verlieren

Menschen, die in der sozialen Arbeit tätig sind, begleiten oft schwere Geschichten: Verlust, Unsicherheit, Flucht, Überforderung oder existenzielle Sorgen. Viele Fachkräfte erleben dabei täglich ein Spannungsfeld:

Wie kann ich empathisch begleiten, ohne selbst dauerhaft auszubrennen?

Picture of mit Anis Albasha
mit Anis Albasha

anis.albasha@awo-sh.de

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anis.albasha@awo-sh.de

Nicht immer braucht es sofort eine Lösung

Ein wichtiger Gedanke aus dem Workshop war: Viele Menschen suchen in belastenden Situationen nicht zuerst eine Lösung. Oft brauchen sie zunächst jemanden, die/der wirklich zuhört. Wenn Menschen sich verstanden fühlen und ihre Gefühle ernst genommen werden, entsteht häufig bereits eine erste Entlastung. Gerade in der sozialen Arbeit entsteht schnell der Druck, sofort handeln oder Probleme lösen zu müssen. Doch professionelle Unterstützung bedeutet nicht immer, alles „reparieren“ zu können.

Manchmal bedeutet sie:

  • präsent zu bleiben,
  • zuzuhören,
  • Orientierung zu geben und
  • gemeinsam die nächsten Schritte anzuschauen.

Wir sind keine Retter:innen

Besonders eindrücklich war die Aussage: „Wir sind keine Retter, sondern Begleiter.“
Denn viele Fachkräfte kennen Situationen, in denen Klient:innen große Hoffnungen auf sie projizieren:
bei Behördenproblemen, Wohnungssuche, Unsicherheit im Aufenthaltsstatus oder familiären Krisen.
Aber nicht alles lässt sich lösen.

Professionelle Hilfe bedeutet deshalb auch, die eigenen Grenzen zu kennen:

  • Verantwortung nicht vollständig zu übernehmen,
  • an passende Stellen weiterzuverweisen,
  • und anzuerkennen, was außerhalb der eigenen Möglichkeiten liegt.

Das ist nicht Gleichgültigkeit, sondern eine Form von verantwortungsvoller Unterstützung.

Nähe und Distanz bewusst gestalten

Gerade in der Arbeit mit Menschen mit Migrations- oder Fluchterfahrung verschwimmen persönliche und professionelle Ebenen manchmal schnell. Dankbarkeit wird häufig sehr persönlich gezeigt: durch Einladungen, Geschenke oder den Wunsch nach mehr Nähe.

Das kann berührend sein und gleichzeitig herausfordernd. Denn professionelle Distanz bedeutet nicht Kälte. Sie bedeutet Klarheit.

Grenzen zu setzen kann unangenehm sein, besonders wenn Ablehnung kulturell schnell als unhöflich verstanden wird. Trotzdem sind klare Grenzen wichtig:

  • für die eigene Balance,
  • für die professionelle Rolle
  • und oft auch für langfristiges Vertrauen.

Selbstfürsorge ist Teil professioneller Arbeit

Wer täglich mit belastenden Geschichten arbeitet, bleibt davon nicht unberührt. Viele Fachkräfte hören regelmäßig von: Krieg, Verlust, Trauer, Unsicherheit oder existenziellen Ängsten. Das hinterlässt Spuren.

Deshalb ist Selbstfürsorge kein „Extra“, das man irgendwann zusätzlich macht, wenn Zeit bleibt. Sie ist Teil professioneller Arbeit. Dazu gehört:

  • die eigenen Grenzen wahrzunehmen,
  • Belastung ernst zu nehmen,
  • sich auszutauschen,
  • Pausen zuzulassen und nicht alles alleine tragen zu wollen.

Denn Menschen langfristig begleiten zu können, bedeutet auch, auf sich selbst zu achten.
Oder anders gesagt: Andere zu unterstützen darf nicht bedeuten, sich selbst dabei zu verlieren.

Du möchtest Anis Impuls lieber als Video erleben?

In unserer InterAct Social Community findest du die Aufzeichnung dieser Session sowie alle weiteren Inhalte der Themenwoche Mentale Gesundheit in der Sozialen Arbeit.

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